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Sie gleichen einer großen Karawane: die vielen Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben. Unterwegs zu Dingen, die sie nicht gesehen haben, die ihnen aber versprochen sind. Über die Zeiten hinweg, in ganz verschiedenen Situationen, haben sie den Weg gesucht in die Zukunft des Lebens: Männer, Frauen – Starke und Schwache, Mutige und Missmutige. Sie alle waren unterwegs, sind unterwegs. Sie werden fremd im eigenen Land, weil sie mehr suchen, als das Glück und den Erfolg und den Lohn. Diese Menschen blicken über den Horizont hinaus, sie wollen vorwärts und nicht zurück, sie sehen Lebenschancen, wo andere zurückweichen. Eine ganze Kette von Figuren gehört dazu: Noah, Abraham, Sara, aber auch Mose, Samuel und wie sie alle heißen. Diese Liste ließe sich beliebig verlängern und sie hört bis heute nicht auf. Wir sind ein Teil einer großen Karawane des Glaubens. Keiner von uns wäre Christ, wenn wir nicht wenigstens einem Zeugen des Glaubens begegnet wären, einem Menschen, der uns angesteckt und berührt hat. Vermutlich waren es viele, die uns glauben gelehrt und ein Bild von Gott eingeprägt haben. Ich denke an meine Großmutter. Sie saß oft über der Bibel, meditierte das Wort Gottes und wir redeten miteinander. Es war spannend, es taten sich Welten auf. Sie war meine erste Lehrerin im Glauben, die mich liebevoll unterwiesen hat. Ich denke an die Choralsätze Johann Sebastian Bachs – auch er ist für mich einer der mächtigen Zeugen in der Glaubenskarawane. Neue geistliche Musik kam dazu. Es sind die Gottesdienste, in denen ich heimisch wurde. Worte, die man so nur in der Kirche findet, die eingreifen in das Geschehen der Welt, von anderswoher. Für andere waren es Erfahrungen in Taizé, in Häusern der Stille: eine lebendige Liturgie und die Feier im Rhythmus der Tageszeiten. Ich denke aber auch an viele Diskussionen: über den politischen Auftrag der Kirche, ihr Eintreten für Schwache und Gedemütigte; Diskussionen, die dem Markt der Meinungen immer auch kritisch gegenübertraten. So fügt sich bei mir ein Bild zusammen, eine Glaubensgeschichte mit vielen Facetten. Wir sind ein Teil einer großen, weiten Tradition, einer Überlieferung, die vor uns beginnt und über uns hinausgeht. Abraham brach auf, ohne zu wissen, wohin er kommen würde. Er wanderte in das Land der Verheißung und wohnte in Zelten. Man muss es wollen, man muss es glauben. Man muss den Sprung machen, darf den Aufbruch nicht scheuen. Immer wieder haben Menschen gewagt, fremdes Land zu betreten, sich hinauszuwagen in unbekanntes Gelände, weil sie Gott etwas zutrauen. Was einem dann widerfährt, und ob dieser Weg zu anderen, neuen Gewissheiten führen wird, das kann man im Voraus nicht sagen. Und so müssen wir uns fragen, ob wir noch unterwegs sind in jenem Zug der Karawane des Glaubens. Die führt auch durch die Wüste, durch ödes Land, über harten, steinigen Boden, durch Schluchten, vorbei an Abgründen. Oder ob wir sitzen geblieben sind auf unserem Glauben, sitzen geblieben wie im Wartsaal eines stillgelegten Bahnhofs. Es wäre schon etwas, wenn wir hinausschauen über den Horizont, wie Abraham und wie Sara. Denn das ist eine treffende Beschreibung des Glaubens: die Fähigkeit, hinter den Horizont zu blicken.
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