Wozu Partnerschaftsarbeit?

Seit Jahren wird unsere tansanische Partnergemeinde in Lole von Kiel aus finanziell unterstützt. Aber ist das das Hauptziel unserer Partnerschaft? NEIN   

Wir sind neugierig auf eine fremde Kultur. Wir möchten uns auf Augenhöhe mit Menschen austauschen, die unter völlig anderen sozialen, geographischen und klimatischen Bedingungen groß geworden sind. Das ist interessant, zwingt uns aber auch, uns selbst und unsere Einstellungen und Überzeugungen immer wieder zu hinterfragen:

Was machen wir bloß deswegen, weil alle es so machen, weil wir noch nie eingehender darüber nachgedacht haben, weil wir es nicht anders kennen?

Beispielsweise erschrecken wir uns, wenn wir erfahren, dass in Tansania Teufelsaustreibungen etwas ganz Alltägliches sind und dass sie sogar von Pastoren der evangelisch-lutherischen Kirche ausgeführt werden! Die Tansanier finden es schockierend, welch eine geringe Rolle der christliche Glaube in unserer heutigen deutschen Gesellschaft spielt: Wie leer unsere Kirchen am Sonntagmorgen sind, wie wenig wir beten und dass wir in Notlagen weniger auf Gott vertrauen, als auf unsere Versicherungen und unsere Regierung!

Unsere Partnergemeinde Lole am Kilimandscharo (Tansania)

Die evangelisch-lutherische Gemeinde Lole liegt im äußersten Nordosten Tansanias nahe der Grenze zu Kenia am südöstlichen Fuße des Kilimandscharo. Die Gemeinde hat mehr als dreitausend Mitglieder, die mehrheitlich dem Volksstamm der Chagga angehören. Sie ist seit 1993 Partnergemeinde der ehemaligen Ostergemeinde Kiel, die 2008 Teil der Emmausgemeinde geworden ist.

Durch seine leicht erhöhte Lage am Fuße des höchsten Berges von Afrika ist das Klima in Lole trotz der Nähe zum Äquator gemäßigt und gut für Landwirtschaft geeignet. Deshalb war die Gegend auch schon früh für Europäer attraktiv. Lole liegt am Haupteingang zum Kilimandscharo-Nationalpark, der oberhalb des Dorfes beginnt. Nicht wenige Männer und Frauen verdienen ihren Lebensunterhalt zumindest teilweise als Gepäck- und Ausrüstungsträger für Touristen, die Afrikas höchsten Berg besteigen wollen. Ansonsten ist jeder im Dorf Selbstversorger und baut auf seiner „Shamba“ Mais, Kochbananen, Yams, Avocados und andere Nahrungsmittel an. Viele halten auch Hühner und Ziegen, einige sogar Schweine oder Rinder.

Die Kirchengemeinde Lole praktiziert ein lebendiges geistliches Leben. Am Sonntagmorgen werden im „Dom“ (s.o.) gleich zwei morgendliche Gottesdienste hintereinander abgehalten. Zusätzlich gibt es noch Gottesdienste in 2 kleineren Kirchen. Nachmittags findet eine zweistündige Bibelschule statt. Mittwochs wird eine große Morgenandacht im Dom angeboten, donnerstags treffen sich Nachbarn zu kleineren häuslichen Morgenandachten.

                                       Hier wird gerade eine häusliche Andacht vorbereitet.




Unser Ansprechpartner ist seit ungefähr 20 Jahren
ununterbrochen der Vorsitzende des dortigen
Partnerschaftskreises Herr Steven Nyella.
Er ist ein rühriger, pfiffiger und gottesfürchtiger Mann.

Auf dem Foto ist er im Kreise seiner Familie zu sehen. 

Warum Tansania?

Mit Tansania verbindet uns als Deutsche eine lange Geschichte. Von 1884 bis 1918 war Tansania deutsche Kolonie. Der 35-jährigen Kolonialherrschaft sind damals etwa eine Million Menschen zum Opfer gefallen. Der erste Mensch auf dem Gipfel des Kilimandscharo war auch ein Deutscher. Es war der Geograph Hans Meyer, Sprössling der „Meyers-Konversationslexikon“-Familie. Er pflanzte am 6. Oktober 1889 die deutsche Reichsflagge auf den Gipfel des höchsten Berges Afrikas. Seine Ausrüstung und Verpflegung waren von einheimischen Trägern hinaufgeschafft worden.

Die ersten deutschen Missionare sind schon vor der Kolonialzeit nach Tansania aufgebrochen.

Mittlerweile existiert in Tansania die zweitgrößte evangelisch-lutherische Kirche der Welt. Und im Gegensatz zur evangelischen Kirche in Deutschland ist sie noch am Wachsen!

 

Unsere gemeinsamen Projekte

Seit Jahren versuchen wir gemeinsam, die Situation der Waisenkinder in Lole zu verbessern. Die Waisen sind zumeist Kinder, deren Eltern an AIDS gestorben sind. Die massive Ausbreitung von AIDS in Tansania war im Jahr 1992 Anlass für eine Reihe von Kieler Kirchengemeinden, sich am Kilimandscharo zu engagieren. Die Zahl der Waisen stieg so rasant, dass die tansanischen Gemeinden schnell mit ihrer Versorgung überfordert waren. Die Ostergemeinde baute damals die Partnerschaft zu Lole auf.

Tansania hat bis heute eine hohe AIDS-Rate. Schätzungen zufolge waren im Jahr 2018 rund 5% der erwachsenen Bevölkerung HIV-positiv. Zwar ist die Neuinfektionsrate seit 2010 auf Grund staatlicher Maßnahmen um ca. 13% zurückgegangen, und die Sterblichkeit sank sogar um fast 50%. Die Eindämmung der Infektion ist aber nicht zuletzt deshalb schwierig, weil das Thema Sexualität in der Gesellschaft noch stark tabuisiert ist. Selbst nach jahrelanger Partnerschaft können auch wir uns nur bedingt über die AIDS-Problematik verständigen. Auch ist die gesellschaftliche Stellung der Frauen noch immer relativ schwach, und gerade in ländlichen Regionen wie dem Distrikt Kilimandscharo Ost, in dem Lole liegt, besteht nur ein eingeschränkter Zugang zu ärztlicher Versorgung und zu Medikamenten.

Lole und Emmaus haben ein gemeinsames Projekt gestartet, das bei uns als „Ziegenprojekt“ bekannt ist. Mit Kollektengeld aus Kiel erwirbt die Kirchengemeinde Lole Ziegen, um sie mitsamt Holz für einen kleinen Stall besonders bedürftigen Familien zur Verfügung zu stellen, die Waisenkinder großziehen. Im Juni 2020 wurden acht Ziegen gekauft.

Außerdem beteiligen wir uns an einem überregionalen AIDS-Waisenprojekt, dass die evang.-luth. Kirche Tansanias unter dem tansanischen Namen „HuYaMwi“ betreibt.  Es verbessert die häusliche Situation der Familien und ermöglicht den Kindern sowohl eine medizinische Behandlung als auch eine Schul- und Berufsausbildung. Den Eltern bietet es Seminare zu einkommensfördernden Maßnahmen an, und u.U. erhalten sie auch Hilfe beim Bau oder der Instandhaltung ihrer Wohnhäuser.

Neben der diakonischen Arbeit unterstützen wir seit Beginn der Partnerschaft das religiöse Leben in Lole. So stellen wir jedes Jahr aus unseren Kollekten die Mittel zur Verfügung, durch die jedes Mädchen und jeder Junge zur Konfirmation eine Bibel in der Stammessprache der Chagga geschenkt bekommen kann.

Hier halten die Kinder freudig ihre Bibeln hoch.

Vor allem in der Anfangszeit wurden auch einige Bauprojekte unterstützt. So haben wir z. B. den Bau des großen Doms unterstützt. Der Bau war ein großer Wunsch der Gemeinde, denn der Vorgänger des heutigen Landesbischofs kam aus Lole. Der Dom kann bis zu 1.500 Personen aufnehmen und hat – eher untypisch für Tansania – eine richtige Kirchenorgel. Er wurde 2014 in Anwesenheit von Vertretern aus Kiel geweiht. Auch den Bau einer Öl- und Maismühle hat die Emmausgemeinde finanziell unterstützt: Die nachfolgenden Fotos zeigen Kinder auf dem Rückweg von der Mühle und beim Verzehr des landestypischen Maisbreis (auf Kiswahili „Ugali“ genannt). Die Schulspeisung ist für manche Kinder die einzige warme Mahlzeit am Tag!

In Zukunft würden wir gerne die Frauen in Lole besonders unterstützen. Die Frauen in Tansania werden langsam selbstbewusster. Sie bilden örtliche Komitees und organisieren Informationsveranstaltungen zu Hygiene, sexueller Aufklärung, Verkehrserziehung, zu Frauen- und Kinderrechten sowie zu ökonomischem und ökologischem Wirtschaften. Die Frauen von Lole würden sich gerne ein großes Veranstaltungszelt anschaffen. Dort könnten sie eigene Treffen abhalten, aber durch die Zeltvermietung auch ein kleines eigenes Einkommen generieren.                                                                                                                                                                                                                                                                                               

 

Begegnungsreisen

Am besten kommt man miteinander ins Gespräch, wenn man sich mal persönlich begegnet. Auch fördert es das gegenseitige Verständnis füreinander, wenn man den Alltag des Partners mal unmittelbar vor Ort miterlebt. Seit 1992 gibt es deshalb in zwei- bis dreijährigem Rhythmus Besuche und Gegenbesuche.  Im Jahr 2019 ist zuletzt eine Delegation aus Kiel in Lole gewesen. In 2022 hoffen wir, wieder eine Abordnung aus Lole in Kiel begrüßen zu können.                                                                                                  

Zwischendurch kommunizieren wir per WhatsApp und e-mail. Beides ermöglicht heutzutage eine schnelle und dank Fotos auch recht informative Kommunikation (auf Englisch).  

 

Lust auf’s Mitmachen?

Unsere Tansaniakontaktgruppe trifft sich ca. alle zwei Monate, um aktuelle Themen zu besprechen. Wer Lust bekommt, bei uns mitzumachen, kann gerne Kontakt aufnehmen:  l.weichert@t-online.de

Wer unsere Arbeit durch eine Spende unterstützen möchte, kann das tun über das Konto:
IBAN: DE36 5206 0410 2206 4634 01
Kontoinhaber: Ev.-luth. Emmaus-Kirchengemeinde
Stichwort: Partnerschaftsarbeit

 

Strahlen brechen viele aus einem Licht.
Unser Licht heißt Christus
und wir sind eins durch ihn.

Glieder sind es viele, doch nur ein Leib.
Wir sind Glieder Christi
und wir sind eins durch ihn.

                                      Lieselotte Weichert, Sandra Koinzer, Ellen Brodersen